KI-Skills im Stellenmarkt: Was der KI-Kompetenzmonitor über 2026 verrät
Olga Golubchykova (index Research) zeigt auf der SAATKORN Online Konferenz, wie sich KI-Kompetenzanforderungen im deutschen Stellenmarkt entwickeln – und wo Unternehmen ansetzen sollten.
Wird KI im Stellenmarkt tatsächlich zum festen Bestandteil oder bleibt es beim Hype? Um diese Frage datenbasiert zu beantworten, hat index Research den KI-Kompetenzmonitor entwickelt. Olga Golubchykova, Head of Research, stellte das Tool auf der 4INSIDER | SAATKORN Online Konferenz vor.
Was ist der KI-Kompetenzmonitor? (Definition)
Der KI-Kompetenzmonitor ist ein interaktives Dashboard, das auf einer Datenbank von fast 24 Millionen deutschen Stellenanzeigen basiert und zeigt, welche KI-Kompetenzen Unternehmen aktuell fordern – filterbar nach Region, Branche, Berufsgruppe und Unternehmen. Datenquellen sind rund 200 Printmedien, über 300 Online-Jobbörsen sowie mehr als eine Million geprüfte Firmenwebsites.
Neue Skills statt neuer Berufe
Zwar entstehen mit Bezeichnungen wie KI-Manager oder Prompt-Ingenieur vereinzelt neue Berufsprofile – im ersten Halbjahr 2026 wurden dafür knapp 2.000 Stellenanzeigen veröffentlicht, mit mehr als einer Verdopplung zum Vorjahr. Gemessen an rund 15 Millionen Stellenanzeigen pro Halbjahr insgesamt bleibt das aber ein kleiner Ausschnitt. Weitaus größer ist die Bewegung bei einzelnen Skill-Anforderungen: Künstliche Intelligenz als allgemeine Kompetenz wurde zuletzt in 18.801 Stellenanzeigen gefordert (plus 21 Prozent), bei KI-Agenten wuchs die Nachfrage sogar um 600 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Regionale und branchenspezifische Unterschiede
Relativ betrachtet liegt Berlin mit rund drei Prozent KI-Bezug an der Spitze, gefolgt von Hamburg und Bayern, das in absoluten Zahlen mit über 11.000 KI-bezogenen Stellenanzeigen im zweiten Quartal 2026 führt. Neben der erwartungsgemäß dominierenden IT-Branche zeigt sich auch bei Personaldienstleistern, in der Unternehmensberatung und im Bildungsbereich eine hohe Nachfrage. Besonders auffällig: Im Bereich Werbung, Marketing und Medienberufe sinkt die Zahl der Stellenanzeigen insgesamt, während der Anteil mit KI-Bezug stetig steigt – KI-Kenntnisse werden hier zunehmend zur Grundvoraussetzung.
Fünf Takeaways für die HR-Praxis
Aus den Daten leitet Olga Golubchykova mehrere Kernaussagen ab: KI verändert vor allem Tätigkeiten und nicht ganze Berufsbilder, wodurch hybride Skill-Profile statt komplett neuer Berufe entstehen. Die Nachfrage nach einzelnen Technologien wächst zudem sehr ungleich – manche Kompetenzbereiche sind seit Jahren stabil gefragt, andere gewinnen erst seit kurzem an Bedeutung. Und: KI-Kompetenzbedarfe unterscheiden sich stark nach Branche, Region und Berufsgruppe, weshalb Unternehmen, Bildungssystem und Politik den Wandel differenziert und aktiv mitgestalten sollten.
Eine konkrete Empfehlung fürs Bewerbungsgespräch
Auch wenn ein Unternehmen für einen bestimmten Bereich noch keine klare KI-Strategie hat, lohnt sich laut Olga Golubchykova die Frage im Interview, wie sich Bewerbende die Automatisierung ihrer künftigen Aufgaben vorstellen. Die richtige Antwort muss dabei noch gar nicht feststehen – allein die Bereitschaft, sich mit möglichen Lösungsansätzen auseinanderzusetzen, ist ein starkes Signal für Veränderungsbereitschaft.
Häufige Fragen zum KI-Kompetenzmonitor
Wofür lässt sich der KI-Kompetenzmonitor nutzen? Als datenbasierte, laufend aktualisierte Grundlage für Recruiting- und Weiterbildungsentscheidungen – etwa um zu sehen, welche KI-Skills in der eigenen Branche oder Region tatsächlich gefragt sind.
Entstehen durch KI wirklich neue Berufsbilder? Nur in begrenztem Umfang. Der weitaus größere Effekt zeigt sich bei neuen Skill-Anforderungen innerhalb bereits bestehender Berufe.
Welche Branchen suchen aktuell die meisten KI-Kompetenzen? Die IT-Branche führt, dicht gefolgt von Personaldienstleistern. Auch Unternehmensberatung, Bildung und zunehmend Marketing zeigen starke Zuwächse.
Wie unterscheidet sich die Nachfrage regional? Berlin liegt relativ betrachtet vorn, Bayern führt bei den absoluten Zahlen. Insgesamt zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Bundesländern, Branchen und Berufsgruppen.
Fazit: Datenbasierte Entscheidungen statt Pauschalstrategien
Der KI-Kompetenzmonitor zeigt: KI verändert den Arbeitsmarkt in erster Linie durch neue Skill-Anforderungen innerhalb bestehender Berufe – nicht durch eine Welle komplett neuer Berufsbilder. Für Recruiting und Weiterbildung heißt das, genauer hinzuschauen, welche Kompetenzen in der eigenen Branche und Region tatsächlich gefragt sind, statt auf pauschale Strategien zu setzen.
Dieser Artikel basiert auf dem Vortrag von Olga Golubchykova bei der 4INSIDER | SAATKORN Online Konferenz. Die vollständige Aufzeichnung findest du in unserer 4INSIDER Mediathek.